Welches Tablet ist für mich optimal?

Die Frage nach dem richtigen Tablet ist meist eine sehr schwierige und auch sehr individuell. Der Markt bietet inzwischen so ziemlich jede denkbare Größe, verschiedene Betriebssysteme und auch alle Preisbereiche. Bevor man sich jedoch auf die Suche macht, sollte man sich (wie bei so ziemlich jedem Kauf) erst einmal Gedanken darüber machen, was man wirklich braucht. So fällt man nicht auf Marketing herein oder bezahlt Geld für Features, die man nicht benötigt.

Auch der grundsätzliche Nutzen von Tablets ist immer grenzwertig (aus meiner Sicht). Denn welchen echten Mehrwert bietet ein Tablet gegenüber einem in einem jedem Haushalt verfügbarem Notebook? Insbesondere im Vergleich zu den Ultrabooks? Hier gibt es denke ich vor allem Bequemlichkeitsvorteile, ob die das Geld wert sind muss jeder für sich selbst entscheiden.

Die wesentlichen Vorzüge sind dann Mobilität (leicht, lange Akkulaufzeiten) und leichtere Wartung (alle Systeme sind inzwischen auf automatische Updates optimiert). Wenn das Einsatzszenario allerdings auf Studium oder Arbeit erweitert wird, gibt es deutlich mehr Möglichkeiten. Denn als digitales Notizbuch zum Lernen und Schreiben (mit Digitizer) spielen die Geräte aus meiner Sicht ihre Stärken erst richtig aus. Hier merkt man auch den stetigen Ausbau der verfügbaren Geräte, sowohl auf Android, als auch auf Windows Seite. Lediglich von Apple sind keine „echten“ Digitizer Geräte zu erwarten, wenn auch ich sehr viele Nutzer das iPad für Notizen benutzen.

Daher sollte die erste Frage lauten: Was will ich mit dem Gerät machen? Ist mir ein Stift (Digitizer) wichtig?

Betriebssystem

Abhängig von der vorherigen Frage kann man sich nun überlegen, welches Betriebssystem für einen das sinnvollste ist. Am Markt gibt es derzeit drei ernstzunehmende Anbieter: Google, Microsoft und Apple.

Apple ist mit den iPads der erste erfolgreiche Anbieter und Vermarkter von Tablets gewesen und genießt daher eine sehr gute Unterstützung diverser Anbieter (es scheint sich wohl überall in den Köpfen eingebrannt zu haben, dass man um Apple nicht herum kommt, ungeachtet der Marktanteile). Aber wer nicht vor hat mit dem Tablet zu schreiben (ich kanns wirklich nicht empfehlen) und sich ein Tablet hauptsächlich aufgrund der Spiele und sonstigen Medien-Unterstützung zu kaufen, ist hiermit sicherlich am besten bedient. Das Betriebssystem ist perfekt auf die Hardware optimiert, man braucht sich keine Sorgen bezüglich irgendwelcher Fallen zu machen, muss sich im Vorfeld nur gering informieren und bekommt sehr guten Support. Und genau das macht sicherlich auch einen großen Teil des Erfolges von Apple aus.

Das genaue Gegenteil bildet hier sowohl im positivem wie auch negativem Microsofts Windows 8.1. Als letztes in den Markt eingestiegen bietet es (bisher) die geringste App Unterstützung, auch wenn hier ein deutlicher Fortschritt zu beobachten ist. Dafür bietet es eine Reihe ganz anderer Qualitäten: Aufgrund der Unterstützung normaler Windows Desktop-Programme (also der alten Windows Welt) ist es unglaublich flexibel und kann als perfekter Hybrid beider Welten (Touch sowie Maus und Tastatur) gesehen werden. Der Sprung zwischen beiden Welten (Metro/Desktop) ist noch etwas holprig, allerdings bessert Microsoft hier kontinuierlich nach (das nächste Update wird im April erwartet). Zudem besitzt gerade Microsoft langjährige Erfahrung in der Nutzung von Digitizern. Hier kann ich OneNote als Tool der Wahl sehr empfehlen. Und auch die Unternehmensintegration ist der Konkurrenz natürlich weit voraus.

Das letzte Betriebssystem stellt für mich eine (gefühlte) Mischform der vorhergegangenen Systeme dar. Es bietet viele Annehmlichkeiten der iOS Welt durch die eigene, sehr hohe Verbreitung und der damit einhergehenden sehr großen Unterstützung an Apps. Gleichzeitig ist das System so offen (Linux), dass es inzwischen durch verschiedene Hersteller um Fähigkeiten wie Digitizer Unterstützung oder Peripherie zu Alleskönnern erweitert wird. Damit einhergehend sind jedoch viele Kompromisse zu machen. Jeder Hersteller passt das System nach Belieben an, die Verfügbarkeit von Updates ist nicht sonderlich gut (auch wenn Google laufend betont dies bessern zu wollen) und Mindeststandards, die das System einhalten muss gibt es meines Wissens nicht (oder sie sind im Vergleich zur Konkurrenz nicht sonderlich gut gewählt). Das führt dazu, das Android auf einer enorm breiten Palette an Geräten läuft, es aber beim Kauf auch deutlich mehr Fallstricke gibt. Wenn man sich hier einigermaßen sicher sein will bezüglich Qualität und Updates bleibt nur die Nexus Reihe von Google selbst. Und auf die schwören inzwischen sehr viele.

Meine eigene Meinung ist: Für mich wirkt Android (auf Tablets) immer wie ein Kompromiss. Es gibt zwar sehr viele Apps, aber der Großteil scheint aufs Smartphone optimiert zu sein (zu Android auf einem Smartphone möchte ich hier keine Aussage treffen). Die Nexus Tablets bieten eine exzellente Hardware, jedoch mit ich mit dem System nicht warmgeworden. Und wenn man die Smartphone Apps abzieht, ist die App Unterstützung ähnlich wie auf der Windows Plattform. Da ist iOS tatsächlich weit voraus. Wer jedoch auf Preis/Leistung Optimieren möchte und dafür bereit ist sich einzulesen, wird sicherlich auf mit einem Android Gerät glücklich. Wer mehr den Fokus aus Business setzt (z.B. volles Office) sollte naturgemäß bei den Windows Tablets schauen. Und wer sich vor allem für Unterhaltung interessiert oder durch geringen Zeitaufwand schnell großen Nutzen bekommen will, fühlt sich vermutlich bei Apple am besten aufgehoben (auch wenn ich hoffe das sich das noch ein wenig ändern wird).

Größe

Das für mich viel spannendere Thema ist die Größe (die meisten Wissen ungeachtet der Vor- und Nachteile meistens vorher schon, welches Betriebssystem oder welche Marke sie unbedingt kaufen wollen). Aber: Für welche Größe sollte man sich entscheiden? Hier gibt es diverse Einflussfaktoren und auch der Preis spielt sicherlich eine Rolle. Aber am ehesten sollte man sich fragen: Wie plane ich das Gerät in mein Leben zu integrieren? Ich habe darüber bereits viel nachgedacht was die optimale Lösung ist, aber die wesentliche Essenz die ich aus allem bisher gezogen habe: die eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht. Gerade mit dem iPad versuchen es viele, aber es ist immer nur ein Kompromiss, ein iPad ist eigentlich nur auf die Arbeit mit dem Finger ausgerichtet und nicht als Notebook gedacht. Ebenso wie ein Notebook (auch wenn sie inzwischen mit Touchfunktionalität verkauft werden) nicht als Tablet gedacht ist. Also sollten die Aufgaben aufgeteilt werden.

Auch wenn es diverse Größten gibt, würde ich zwischen zwei Hauptgrößen unterscheiden: 7/8 und 10 Zoll.

10 Zoll:

Ich fange mal mit 10 Zoll an, da es die ursprüngliche Tabletgröße darstellt, mit der Apple den Markt betreten hat. Es wurde als die optimale Größe zum Surfen, lesen und konsumieren von Filmen postuliert. Also als die ideale Größe für ein „Wohnzimmer-Tablet“. Ich würde noch weiter gehen und sagen, dass sich die Größe auch hervorragend noch für Vorlesungen oder sonstige Arbeiten unterwegs eignet (hier dann das Surface von Microsoft). Was jedoch alle Geräte dieser Größe gemein haben ist das Gewicht. Man muss sich einfach im Klaren sein, dass man ein Tablet dieser Größe nicht ewig in der Hand halten kann, sie sind einfach zu schwer. Wer dies jedoch nur gelegentlich tut und einen passenden Ständer für das Gerät gefunden hat, für den ist sicherlich allein aufgrund der Größe des Displays dieser Größenbereich der angenehmere. Vertreter dieser Größe: Apple iPad, Google Nexus 10, Microsoft Surface, Amazon Kindle Fire 8.9 (und diverse andere).

7 oder 8 Zoll:

Vor allem durch Android an Popularität geworden, haben auch Apple und Microsoft nachgezogen und haben Lösungen in dieser Größe (jeweils 8 Zoll). Diese Geräte sind vor allem auf Mobilität ausgelegt, also für Menschen, die das Gerät viel in der Hand halten wollen (ungefähr vergleichbar mit dem Kindle). Also in meinen Augen deutlich besser zu lesen geeignet (Web, Email, Flipboard, …). Zum echten arbeiten jedoch nur noch bedingt, allein aufgrund der Reduktion des Displays. Für mich aktuell jedoch trotzdem der beste Kompromiss. Vertreter dieser Größe: Apple iPad Mini, Google Nexus 7, ThinPad Tablet 8, Amazon Kindle Fire (und diverse andere).

Andere Größen:

Zwischen diesen beiden Größenkategorien gibt es noch diverse Zwischengrößen, gerade Samsung scheint das Ziel zu haben jede erdenkliche Größe anbieten zu wollen. Interessant sind mit 6 Zoll noch die sogenannten Phablets, eine Mischung aus Smartphone und Tablets. Sie sind ebenfalls sehr populär und ersetzen damit im Prinzip das Tablet. Hier muss man sich aber selber Fragen, ob man das so braucht. Ich für meinen Teil finde es ist besser ein kleines, portables Smartphone für unterwegs zu nutzen und sonst auf das Tablet zurückzugreifen. Das sieht dann auch beim Telefonieren nicht so doof aus J Beispiele hier z.B. das Samsung Galaxy Note oder das Nokia Lumia 1520.

Setup:

Aktuell verwende ich ThinkPad T420s (bzw. beruflich T520), ein Asus VivoTab Note 8 als Tablet (mit für mich obligatorischem Digitizer) und ein Nokia Lumia 920. Damit bin ich aktuell zufrieden, auch wenn man natürlich immer weiter optimieren kann. Langfristig wäre es schön ein Ultrabook (beruflich und privat) einsetzen zu können. Und als Smartphone würde ich lieber Richtung Portabilität gehen wollen mit der nächsten Generation, der Trend der immer größeren Displays gefällt mir nicht wirklich.

Als Alternative kann ich mir inzwischen aber auch gut vorstellen als privates „Notebook“ ein Surface Pro (mit Stift!) einzusetzen und als Media Tablet ein iPad Mini. Aber die Kosten sind mir für den Test dieser Konstellation dann erst einmal doch zu hoch.

So, ich hoffe ich habe den ganzen Text nicht umsonst getippt und kann damit vielleicht ein bischen weiterhelfen. Anders herum würden mich natürlich auch eure Erfahrungen interessieren und wie ihr bestimmte Probleme gelöst habt. Ich bin gespannt!

Update:

Genau gestern Abend ist ein Update für Evernote erschienen, welches handschriftliche Notizen unter Android erlaubt. Damit gibt es nun scheinbar endlich auch unter Android die Möglichkeit, eine OneNote-ähnliche Arbeitsweise umzusetzen. Wie das ganze in der Praxis wirklich funktioniert ist natürlich abzuwarten.

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